Gemüse zwischen Hochhäusern
Auf Brachflächen, Dächern und in Hinterhöfen wachsen seit einigen Jahren Tomaten, Kräuter und Bohnen. Gemeinschaftsgärten, in denen Anwohnerinnen und Anwohner gemeinsam Beete bewirtschaften, sind in vielen Großstädten zu einem festen Bestandteil des Stadtbildes geworden. Ihre Befürworter schreiben ihnen zahlreiche positive Effekte zu – nicht alle davon halten einer genaueren Prüfung stand.
Gut belegt ist, dass die Gärten die biologische Vielfalt in der Stadt erhöhen. Untersuchungen in mehreren europäischen Metropolen zeigen, dass dort deutlich mehr Wildbienen- und Schmetterlingsarten vorkommen als auf vergleichbaren Rasenflächen. Zudem kühlen bepflanzte Flächen ihre unmittelbare Umgebung an heißen Sommertagen spürbar ab. Den Beitrag zur Versorgung der Stadtbevölkerung mit Lebensmitteln sollte man dagegen nicht überschätzen: Die Erträge reichen allenfalls für den Eigenbedarf der Gärtnernden.
Mindestens ebenso wichtig wie die ökologische ist die soziale Dimension. In den Gärten begegnen sich Menschen unterschiedlicher Herkunft und Generationen, die im Alltag sonst kaum miteinander in Kontakt kämen. Viele Projekte berichten, dass aus der gemeinsamen Arbeit nachbarschaftliche Netzwerke entstehen, die auch über den Garten hinaus Bestand haben. Menschen mit geringem Einkommen sind unter den aktiven Mitgliedern allerdings nach wie vor unterrepräsentiert – häufig fehlt ihnen schlicht die Zeit.
Ein Problem stellt die ungewisse Zukunft vieler Flächen dar. Da Bauland knapp ist, werden Gärten auf Brachen oft nur befristet geduldet und müssen weichen, sobald ein Investor das Grundstück erwirbt. Stadtplanerinnen und Stadtplaner fordern deshalb, Gemeinschaftsgärten verbindlich in Bebauungspläne aufzunehmen.