Lernen auf Distanz oder vor Ort?
Was eine Vergleichsstudie über Studienformate zeigt
Noch vor zwei Jahrzehnten galt das Fernstudium als Notlösung für Berufstätige, die keine Zeit für regelmäßige Lehrveranstaltungen hatten. Inzwischen hat es sich zu einer ernstzunehmenden Alternative entwickelt; die Zahl der Eingeschriebenen hat sich in vielen Ländern vervielfacht.
Eine vergleichende Längsschnittstudie mit rund 3.000 Teilnehmenden kommt zu einem differenzierten Ergebnis. Was die reinen Prüfungsleistungen angeht, schneiden Studierende beider Formate nahezu gleich gut ab. Deutliche Unterschiede zeigen sich hingegen bei der Abbruchquote: Im Fernstudium beendet ein erheblich größerer Anteil das Studium vorzeitig. Als Hauptursachen nennen die Betroffenen fehlende soziale Einbindung und die Schwierigkeit, sich ohne feste Termine dauerhaft zu motivieren.
Präsenzstudierende berichten zwar ebenfalls von Motivationsproblemen, profitieren aber nach eigener Aussage vom informellen Austausch – etwa in Lerngruppen oder beim Gespräch nach der Vorlesung. Gerade dieser Austausch, so die Autorinnen der Studie, fördere die Fähigkeit, Fachinhalte mündlich zu erläutern und gegen Einwände zu verteidigen. Allerdings ist das Präsenzstudium mit erheblichen Kosten verbunden: Vor allem in Universitätsstädten mit angespanntem Wohnungsmarkt geben Studierende einen Großteil ihres Budgets für die Miete aus.
Fernstudierende hingegen schätzen die zeitliche und räumliche Flexibilität, die es ihnen ermöglicht, Studium, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Überraschend war ein weiteres Ergebnis: Sie nutzen digitale Recherchewerkzeuge und Literaturdatenbanken deutlich routinierter als ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen auf dem Campus. Bei Arbeitgebern genießen beide Abschlüsse inzwischen ein vergleichbares Ansehen.
Unabhängig vom Format zeigte sich, dass Studierende, die regelmäßig Rückmeldungen von Lehrenden erhielten, zufriedener waren und seltener an einen Abbruch dachten. Die Forschenden empfehlen daher, Betreuungsangebote auszubauen – im Netz wie im Hörsaal.