Kommentar einer Hochschuldidaktikerin
Lernassistenten mit künstlicher Intelligenz
Kaum ein Thema beschäftigt die Hochschulen derzeit so sehr wie der Einsatz KI-gestützter Lernassistenten. Programme, die Fragen zu Vorlesungsinhalten beantworten, Übungsaufgaben erstellen und Rückmeldungen zu Entwürfen geben, sind längst im Studienalltag angekommen. Dass viele Universitäten diese Entwicklung nicht länger ignorieren, sondern eigene, datenschutzkonforme Angebote schaffen, ist ausdrücklich zu befürworten. Denn so wird verhindert, dass Studierende auf kommerzielle Dienste ausweichen, deren Umgang mit persönlichen Daten völlig undurchsichtig bleibt.
Ob die Assistenten jedoch tatsächlich zu einem tieferen Verständnis führen, ist bislang keineswegs erwiesen. Erste Untersuchungen deuten vielmehr darauf hin, dass Lernende Antworten häufig unkritisch übernehmen, statt sich selbst mit einem Problem auseinanderzusetzen. Hochschulen sollten deshalb verbindliche Einführungsveranstaltungen anbieten, in denen Studierende lernen, die Ergebnisse solcher Systeme zu überprüfen und deren Grenzen zu erkennen. Ebenso wichtig ist es, Prüfungsformate zu überdenken, die sich mit wenigen Eingaben automatisiert lösen lassen.
Völlig verfehlt ist allerdings die Haltung mancher Fakultäten, die neuen Werkzeuge pauschal zu verbieten. Ein solches Verbot lässt sich weder kontrollieren noch durchsetzen und vermittelt den Studierenden zudem den Eindruck, die Lehre verschließe sich der Lebenswirklichkeit, in der sie später arbeiten werden.